Die Deutschen sind die größten Goldbunkerer, vor den Amerikanern und Schweizern. Gold ist mehr als nur Ausdruck des Misstrauens in die Weltwirtschaft. Da muss mehr dahinterstecken.
Soll niemand sagen, die Berliner Wirtschaft stagniere. Überall in der Stadt sind Läden entstanden, die Gold an- und verkaufen. Einige von ihnen stellen Sicherheitsbeamte vor die Tür (die dürfen nicht nach drinnen, weil sie stark riechen – Waffentragen ist schweißtreibend), andere haben eine Klingel an der Tür wie bei einem Bordell. Alle haben schwere Stahlrolladen, die nachts runtergelassen werden.
Berliner tragen offenbar viel Edelmetall in ihren Mündern, denn diese Läden, neu oder neu gestrichen, sind gepflastert mit Schildern: Höchstpreise für Schmuck, Münzen und Zahngold. Wie funktioniert das mit dem Zahngold? Vermutlich schlendern die Menschen nicht in das Geschäft und reißen sich ihre teuer gefüllten Backenzähne heraus, um das Geld für die Miete zu sichern. Meine Recherche führte mich zum Stutti: Ein sehr netter libanesischer Händler erzählte mir, dass die Kunden mit ihrem eigenen Zahngold kommen, abgepackt in kleinen Tüten, nachdem sie neue Füllungen bekommen haben. Er wiegt es dann auf einer kleinen Waage und macht ein Angebot. Ganz einfach. Bei ihm klang es, als ob er mit Clementinen handeln würde. Einige hätten das Gold von ihren Eltern geerbt, ausgehändigt vom Krematorium. Und weil das Verkaufen von Zahnteilen einen so intimen Prozess darstellt, fast wie ein Verrat am eigenen Körper, erzählen die Kunden ihre Lebensgeschichten und von ihrer finanziellen Not, um die Schuldgefühle zu verringern. Das Zahngold ist die letzte Zuflucht.
Der Goldpreis ist jedoch verführerisch: Seit Beginn der Finanzkrise ist er immer weiter gestiegen, der qualitative Sprung fand vergangenes Wochenende statt, als 750 Milliarden Euro in einen Topf geworfen wurden, um die Währung zu stabilisieren. Das mag den Markt ein wenig beruhigt haben, aber es versetzte meine Nachbarn in Panik. Für sie war es das Zeichen, dass ihre Euro-Ersparnisse bald schmelzen könnten. Das Pfund und der Dollar machen auch keinen gesünderen Eindruck. Zeit also, um Gold zu kaufen. Oder zu verkaufen. Was auch immer als Nächstes passiert, Gold ist interessant. Vergangene Woche lag der Preis bei 1200 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm), das ist ein 35-prozentiger Anstieg seit der Krise. Das erklärt, warum Goldläden ein fester Bestandteil der urbanen Landschaft geworden sind. Je mehr Regierungen unternehmen, um die Krise abzuwehren, desto krisensensibler wird die Bevölkerung. In Deutschland bedeutet das: ein 20er-Jahre-Atavismus, jenes Gefühl, dass Geld verletzbar ist.
In der Wilmersdorfer Straße hat ein großzügiges neues Geschäft aufgemacht, das Bilder kauft und verkauft, Porzellan und Goldmünzen. Keine Zahngoldspelunke. Der Besitzer berichtet, es liefe ausgezeichnet: Kunden, die Gold kaufen, und solche, die es verkaufen, um in Immobilien zu investieren. Offenbar ahnungslos, was Auslandskorrespondenten so verdienen, empfahl er mir zu verkaufen, statt zu kaufen. Der letzte Höhepunkt war 1980 nach der sowjetischen Invasion Afghanistans: von 400 auf 850 Dollar in fünf Wochen. Ein Jahr später lag es bei 300 Dollar und brauchte 20 Jahre, um sich zu erholen.
„Danke“, sage ich und gehe am Sicherheitsfuzzi vorbei, „ich denke drüber nach.“ Und das habe ich getan: Die Deutschen sind die größten Goldbunkerer, vor den Amerikanern und Schweizern. Gold ist mehr als nur Ausdruck des Misstrauens in die Weltwirtschaft. Da muss mehr dahinterstecken. Meine eigene Faszination mit dem Metall begann als Schuljunge, als ich heimlich ins Kino ging, um mir den Bond-Film „Goldfinger“ anzuschauen. Der böse Auric Goldfinger wollte eine Atombombe in Fort Knox explodieren lassen, um seine eigenen Goldbestände so wertvoller zu machen.
Dem Gold haftet etwas von einem Fetisch an, vielleicht spüre ich bei diesen Zahngoldläden ein Unwohlsein. Vor vielen Jahren versiegelte der verrückte italienische Künstler Piero Manzoni 90 kleine Blechdosen mit den Worten Merda d’artista – Künstlers Scheiße. Die befand sich angeblich in den Dosen. Das Gewicht der Behälter wurde nach dem aktuellen Goldpreis bewertet (1960 lag der bei ungefähr 1,12 Dollar). Man konnte die Dosen nicht öffnen, weil so das Kunstwerk wertlos geworden wäre. Mit den Jahren wuchs der Wert von Manzonis Exkrementen schneller als der von Gold – vor kurzem wurde eine Dose für 80 000 Dollar auktioniert. Manzonis These: Der Preis für Gold hat so viel mit der Realität zu tun wie der Preis von Scheiße. Es ist mehr oder weniger ein Fantasieprodukt.
Trotzdem könnte der Senat Manzonis Konzept für das Hundekackeproblem nutzen: Merda di cani, eingepreist auf Goldniveau. Es könnte Berlins größte natürliche Ressource werden.
Aus dem Englischen übersetzt von Moritz Schuller.
Ich habe eine Schwäche für Lokalbesitzer – und zwar in dem Maße, in dem ich PR-Manager mag. Sie sind freundlich und merken sich immer die Namen deiner Kinder. Allerdings weiß man nie, wen sie sonst noch so alles anhimmeln. Wer ein Restaurant betreibt, hat ja auch nicht den einfachsten Job: Es geht nicht nur darum, gutes Essen aufzutischen, sondern auch darum, den Zeitgeist zu treffen. Leider fehlte mir in letzter Zeit das Geld für einen Besuch bei meinem Eck-Italiener, dem „Capriccio“. Das war das Lieblings-„Ristorante“ von Helmut Kohl. Wobei Kohl mehrere Lieblingslokale hatte, schließlich wuchs sein Bedarf an Tellern voller dampfender Pasta mit der Größe des vereinten Deutschland und mit dem Umfang des deutschen Haushaltslochs.
Kohl wurde später abgewählt, und einige seiner Lieblingslokale stellten sich auf die hungrige Klientel von Rot-Grün ein (das „Capriccio“ zählte, glaube ich, nicht dazu, es blieb schwarz, genauso wie die Farbe der Trüffel, die dort serviert werden). Was waren das für Zeiten, die frühen Nullerjahre! Einmal konnte ich einen kurzen Blick in das Reservierungsbuch des „Maxwell’s“ werfen: Joschka Fischer und Gregor Gysi hatten zusammen einen Tisch reserviert! Es war das Jahrzehnt, in dem die Restaurants der Stadt mehr versprachen als die Theater. Wer am Freitagabend im „Borchardt“ saß, kam beim Glotzen immer auf seine Kosten.
Das alles konnte natürlich nicht endlos so weitergehen. Die Mittagspause war irgendwann nicht mehr der passende Ort, um köstliches Essen zu verdrücken und sich dabei auf den neuesten Klatsch zu konzentrieren. Wer konnte es sich noch leisten, drei Stunden lang irgendwo mit irgendwem Mittag zu essen? Der „Business Lunch“ erreichte Berlin, doch besser wurde es dadurch nicht. Stattdessen fragten die Gäste plötzlich, warum das „Kempinski-Schnitzel“ am Mittag 18 Euro und abends 21 Euro kostet. Die Spesenbudgets von Bankern und Journalisten wurden drastisch gekürzt. Im „Big Window“, dem Paradies für Fleischliebhaber in Halensee, waren es sowieso eher Russen als Hertha-BSC-Vorstände, die bei den frisch geschlachteten Kühen und Schafen so richtig zulangten. Die Berliner Restaurants können sich allerdings nicht nur auf einen guten Rubel/Euro-Wechselkurs verlassen: Sie brauchen das besondere Etwas – und davon ist im Moment wenig zu spüren.
Dass der Markt für Spitzenrestaurants höchst unbeständig ist, wurde mir so richtig klar, nachdem ich das Gästebuch von Arthur Kannenberg in mein Bücherregal gestellt hatte. Ich hatte es in der Galerie „Bassenge“ ersteigert. Das Buch ist ein Spiegelbild der Endzeit der Weimarer Republik. Kannenberg hatte 1929 das „Onkel Toms Hütte“ in Grunewald übernommen und machte daraus in 18 Monaten ein Promi-Lokal.
Es entstand ein geschäftiger Ausflugsort, an dem sich Filmstars aus Babelsberg, Theaterschauspieler, Sänger und Diplomaten die Klinke in die Hand gaben. Ein Foto, das in das Buch eingeklebt ist, zeigt Max Schmeling (mit viel zu kurzen Hosen) und seine spätere Frau Anny Ondra. Neben ihnen ist Arthur Kannenberg zu sehen, der stark übergewichtige Wirt. In seinem Lokal aß die Familie Stresemann zusammen mit den von Winterfeldts. Ein Stück Berliner Sommergeschichte strahlte mir aus dem Buch entgegen.
„Blaue Havel, Grunewald“, schreibt die Sängerin Mafalda Salvatini im Juni 1929, „Grüsse Sie alle beide, Grüss, und sag, ich käme bald.”
Deutsche Gästebücher sind ein Tummelplatz für schlechte Reime, aber immerhin: Das Bemühen ist erkennbar.
„Küche und Keller waren fein, Konnten gar nicht besser sein. Es war so feierlich – und kein Zoff. Ich komme bald wieder: Claire Waldoff.“
Ich bevorzuge eher die schlichte Variante: „Der Rehrücken war ausgezeichnet“, schreibt der Schauspieler Otto Wallburg im August 1929, „kann ich jedem empfehlen.“ Wallburg stirbt später im KZ, genauso wie andere Gäste, die Schauspieler Paul Morgan und Max Ehrlich zum Beispiel.
Was zunächst folgt, ist die Weltwirtschaftskrise, die Berliner Schickeria zerfällt. Kannenberg schließt die „Hütte“ und übernimmt „Pfuhls Hütte“ in der Stresemannstraße. Plötzlich, im Jahr 1931, verschwinden Schriftsteller und Schauspieler aus dem Gästebuch – genauso wie Juden. Stattdessen füttert Kannenberg Frontkämpfer, die mit „Front Heil!“ unterschreiben.
Zugegeben: Ein Wirt muss sich anpassen, nach dem Motto: „Survival of the fattest“ – der Fetteste überlebt. 1932 beschließt Kannenberg, von Berlin nach München zu gehen. Dort übernimmt er das „Kasino im Braunen Haus“. Der Maler Bernhard Zickendraht, einer seiner Gäste, verfasst ein längeres Gedicht, in dem er Kannenberg wegen dessen Nähe zu Hitler anhimmelt: „Was wenigen Sterblichen ist beschieden, was der sehnlichste Wunsch von Millionen ist, dieses grosse Glück hast du hienieden, der Du alltäglich um Ihn bist …“
Haben Sie immer noch Hunger? Ich nicht. Es gibt eben doch genügend Gründe, die fürs Kochen zu Hause sprechen.
Aus dem Englischen übersetzt von Fabian Leber.
Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.04.2010
I like restaurant owners, in the same way that I like public relations managers; they are friendly and remember the names of your children but you never quite know who else they have been flattering. At the upper end of the business, they have a hard time. It’s not just a matter of keeping the food fresh and interesting; somehow they have to capture the Zeitgeist. Financial restraints, sadly, have kept me away from what used to be my local Italian, the Capriccio, which was once Helmut Kohl’s favourite Ristorante. Actually he had several, his need for plates of steaming pasta expanding at the same pace as united Germany and the federal debt; blaehende Landschaften. Then Kohl fell from power and some of his favourite places (though not, I suspect, the Capriccio which has stayed loyally Schwarz, its politics matching its truffles) welcomed the equally hungry Red-Green trenchermen. Ah, the early Noughties, the Nullerjahre! How many little plots were hatched over lunch? I remember sneaking a look at reservations book at Maxwell’s and spotting that Joschka Fisher and Gregor Gysi were due to eat together – and discuss what exactly? It was the decade when the city’s restaurants were more interesting than its theatres; dinner on Friday night at Borchardt was one of the great spectator sports.
And then, of course, it all fizzled away. The lunch break disappeared as a venue for fine eating and titillating gossip. Who could afford to spend three hours talking to anybody, anywhere? The Business Lunch – fast, cheap – arrived in Berlin but that solved nothing: customers simply started to ask why a Kempinski Schnitzel cost 18 Euros at Lunch and 21 Euros at dinner. The expenses of bankers and journalists were capped. At Big Window, the carnivore paradise near Halensee, it was Russians rather than the Hertha BSC Vorstand that tucked into the freshly slaughtered cows and sheep. But Berlin restaurants cannot flourish on the rouble-euro exchange rate alone. There has to be a buzz, and there is none.
The vulnerability of the upper end of the restaurant trade, and the fickleness of restaurant owners, was brought home to me when I came across the Gästebuch of the restaurant owner Arthur Kannenberg. It was up for sale at an auction in the Bassenge gallery and it provides an extraordinary snapshot of Berlin society in the dying days of the Weimar republic. Kannenberg took over “Onkel Toms Hütte” in the Grunewald in 1929 and in 18 months turned it into a Promi-lokal. It was a bustling Ausflugsort for the likes of Bert Brecht and Lion Feuchtwanger; theatre and Babelsberg stars, singers like Richard Tauber, diplomats on their way back from the League of Nations. One photograph glued into the book shows Max Schmeling( his trousers too short) with Anny Ondra in a fur muff, and the overweight, unctuous Wirt, Kannenberg. The Stresemann family eat there with the von Winterfeldts. A sense of the Berlin summer shines out of its pages.
“Blaue Havel, Grunewald,” writes the singer Mafalda Salvatini in June 1929, “Grüsse Sie alle beide,
Grüss, und sag, ich käme bald.”
German Gästebücher are of course, repositories of bad verse, but the elan is there.
“Küche und Keller waren fein,
Konnten gar nicht besser sein.
Es war so feierlich – und kein Zoff
Ich komme bald wieder: Claire Waldorff.”
I prefer prosaic commentary: „Der Rehrücken war ausgezeichnet,“ writes the actor Otto Wallburg in August 1929, „kann ich jedem empfehlen.“ Wallburg later dies in a concentration camp. So do other honoured guests at Onkel Toms Hütte: the actors Paul Morgan, Max Ehrlich.
Then comes the economic crisis and the Berlin schickeria falls apart; money is tight. Kannenberg drops the Hütte and takes over Pfuhls Hütte in the Stresemannstrasse. Suddenly the actors and writers disappear from the Gästebuch – this is 1931 – and so do the Jews. Instead, he is feeding Frontkämpfer who sign off: “Front Heil!”
Well, a Wirt has to adapt; it amounts to a Darwinist variation – survival of the fattest. By 1932, Kannenberg has made his decision. Munich not Berlin is the place where politics is being made, and where people can afford his prices. Kannenberg takes over the running of the “Kasino im Braunen Haus”. One of his guests, the painter Bernhard Zickendraht, writes a long poem towards the end of the guestbook, envying Kannenberg’s proximity to the Führer who has become a regular diner.
“…Was wenigen Sterblichen ist beschieden
Was der sehnlichste Wunsch von Millionen ist
Dieses grosse Glück hast du hienieden
Der Du alltäglich um Ihn bist…“
Still feeling hungry? Me neither. There is a lot to be said for home cooking.
Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, ob Jesus Christus auf die Erde zurückkehren wird. Aber wenn ja, dann dürfte er ziemlich sauer sein. Die katholische Kirche dürfte die am schlechtesten geführte Institution weltweit sein. Der Vatikan ist das Opfer seiner Angst vor Gesichtsverlust. Die päpstliche Verschwiegenheit, einst eine Waffe gegen die Eingriffe des Staates, hat ihren Wert verloren: Nun verdeckt sie Fehler und Inkompetenz.
Harte Worte, ich weiß, und ein katholischer Freund rät mir zu mehr Güte. Die Kirche, meint er, bewege sich auf einer anderen Zeitskala. Ihre kleinste Zeiteinheit sei das halbe Jahrhundert. So lange werde es dauern, um das umzusetzen, was einigen beim Zweiten Vatikanischen Konzil vorschwebte. Der Glaube, behauptet er in einer verrauchten Kneipe, ist stark; schwach sind die, die glauben. Das klingt wie das, was einige Linke über den Kommunismus sagten: gute Idee, nur schlecht ausgeführt. In England gab es schon immer einen Grundzweifel am Priestertum. Unser großer Dichter Geoffrey Chaucer schrieb im 14. Jahrhundert: „Will Gold schon rosten, was tut Eisen dann?/ Denn ist ein Priester, dem wir traun, nicht rein,/ so ist’s kein Wunder, dass voll Rost die Lai’n.“
Korrupte Priester sind deshalb ein Problem für uns alle. Ich glaube, dass es sich die Katholiken zu einfach machen. Ja, natürlich ist Pädophilie nicht nur ein Problem der Katholiken, auch die Verbindung zum Zölibat ist nicht überzeugend hergestellt, und ja, einige Medien wollen den deutschen Papst, den ehemaligen Panzerkardinal, vorführen. Aber leicht kann man seinen Frieden nicht machen mit einer Kirche, die hohe Ansprüche an die Ausbildung legt, die unsere Kinder nimmt, um sie zu klugen, geistig wachen Individuen zu machen – und sie dann verrät.
Das Verschieben der Täter innerhalb der Kirche hat System: aus Irland wurden die Priester in die USA versendet, aus Spanien nach Lateinamerika und aus Berlin nach Bayern. Wenigstens hat der Papst in einem Brief an die irischen Bischöfe eingeräumt, dass es Opfer von Täter-Priestern gegeben hat. Eine Art von Entschuldigung kam auch. Aber Benedikt scheint nicht zu verstehen, dass es längst ein Problem der Institution ist. Die Kirche wird von einem Teil der Gläubigen (45 Prozent laut Forsa) nicht mehr als die ihrige angesehen. Es existiert eine Glaubwürdigkeitslücke. Als ich in Polen lebte, gehörte es einfach dazu, mit der Familie in die Kirche zu gehen und sich vom Priester die Ostereier segnen zu lassen. Heute wirkt das wie sentimentaler Quatsch.
Ich gehe am Sonntag in die Kirche, mit Block und Stift in der Hand. Die „Times“ schickt ihre Reporter aus – in Rom, Irland, Madrid, Boston –, damit sie über die Predigten berichten. Wie werden die Priester die Osterbotschaft des Leidens und Wiederauferstehens mit ihrer eigenen Unfähigkeit verbinden, Verantwortung zu übernehmen. Mich überzeugt nur eine rhetorische Meisterleistung.
Aber wenn ich als Reporter und nicht als Gläubiger in die Kirche gehe, werde ich meine persönlichen Abneigungen ablegen. Das Ziel ist, die Krise in ihren Nuancen zu erfassen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass im Schulsystem der 60er Jahre Brutalität gang und gäbe war. Wir hatten viele Lehrer, die im Krieg gekämpft hatten, und denen fehlte oft nicht nur ein Arm, sondern auch das psychische Gleichgewicht. Sie waren voll Wut und schlugen uns. In Deutschland war es vermutlich nicht anders.
Die andere Seite dieser Agression war Pädophilie. Die Pädophilen waren die einzigen Lehrer, die Zuneigung zeigten, die Heimweh verstanden. Später haben wir verstanden, wie schwach und manipulativ sie waren, aber als Kinder haben wir ihre „Freundlichkeit“ akzeptiert. Die Wut, das Gefühl missbraucht worden zu sein, kam Jahre später. Das Gleiche, denke ich, geschieht in der katholischen Kirche. Die Opfer wachen auf und fangen an zu verstehen, was in ihrer Kindheit geschehen ist.
Und ihnen wird klar, dass die Kirche diese Täter gründlich geschützt hat – so gründlich, dass sie sich immun fühlten. Wenn ein Priester auffällig wurde, konnte er einfach gehen. Die Kirche hätte ihn stattdessen zwingen müssen, sich seinen Opfern und seiner Tat zu stellen. Erst so entsteht Buße und möglicherweise Vergebung. Indem sie darauf nicht bestand, hat sich die Kirche als Institution mit dem Herzen eines Feiglings herausgestellt. Ich möchte nicht Teil einer Kirche sein, der der Mut fehlt.
Fröhliche Ostern, dennoch. Vielleicht sehen wir uns in der Kirche. Oder vielleicht nicht.
Aus dem Englischen übersetzt von Moritz Schuller.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.04.2010)
I am too young to watch ARD morning television (Rote Rosen, episode 763 ) too heterosexual to be excited by Desperate Housewives, too old for Die Simpsons, too bored by SOKO Wismar (it would take more than a murder mystery to get me interested in Wismar). But Günter Jauch’s millionaire show, now that’s something I could stay awake for, even if only because I have fantasies of becoming a Joker. I see myself with a slashed grin a la Jack Nicholson in Batman, sitting in an internet café surrounded by young helpers, their fingers poised on google, ready to generate the perfect answer that makes Günter Jauch’s production company one million Euros poorer. So, of course, I watch the programme, my social life being particularly barren on Mondays, to train myself for the day that someone wants me to be a Joker. This week though something odd happened. Jauch made a risqué joke. Not the usual Schülerzeitung humour that makes the studio audience giggle – he was particularly effective a couple of weeks ago with an observation about cleaning up cats vomit in Wohngemeinschaften. In the chair was a bright, hairy Ossi. He was doing well and if he had me as a Joker we could have reached at least 125.000 Euros, splitting it after the show. Jauch, making the compulsory small talk, asked the Thuringian how he intended to spend his winnings. “On a new parachute,” he said and it emerged that he liked to drop out of aeroplanes. A good parachute apparently costs around five thousand Euros.
Then came the Jauch joke: “Not a Möllemann model?” he asked.
At least that’s about I think I heard. There was a ripple of uneasy, buttock-shifting laughter from the studio. Even Jauch seemed to be chewing his bottom lip, worried whether he had gone too far. Well, I think he did. It wasn’t funny; it was grossly offensive. To Juergen Möllemann’s family, of course, but also to anyone who has lost a relative in a violent accident.
Now, on the whole, I’m in favour of breaking taboos and stretching the boundaries of humour. That’s maybe because I am English and we are notoriously fuzzy about what constitutes good taste. I even thought Harald Schmidt dressed up as Hitler was funny – he was not mocking Holocaust victims but rather the film Der Untergang and our odd enduring fascination with the Führer. But Harald Schmidt is late night television; Jauch is family viewing. And, crucially,he failed the amusement test. Many of the audience probably cannot remember who Möllemann was, what he stood for and who hated him. If you make an offensive gag, it has to serve a purpose.
The fact is: something is going wrong with German television humour. It is, of course, a universal phenomenon that a very small number of executives exercise too much power in television. Their cautious standards and uncertain taste has a bad influence on commissioning. They are not risk-takers. Why, for example, are the only jokes about Turks cracked by Turkish comedians? For the same reason that films making fun of Hitler are made by Jews (or even, in Dani Levy’s case, a Swiss Jew). It is the safe option – and therefore not very funny. Something similar happens in Britain even though we think our humour is cutting edge. No white comedian makes fun of blacks; black comedians meanwhile make fun of blacks and of whites. German comedians – listen in to the TV comedy shows this week , to Pocher et al– harvest laughs from priests who sexually abuse children, but they won’t touch Turks. Does that mean they think that being Turkish is worse than being a paedophile? That the taboo on racial humour is stronger? Race is a problem in the US – far deeper than in Germany or England – yet it provides material for both black and white comedians, and that’s how it should be. Germans love to laugh, your language makes for really inventive wordplay, but you are badly served by your television comedy managers. There is a significant gap between the wit that you can now hear around an urban dinner table (really!) and the lame, inappropriate jokes served up on TV, both public and private. When numbskulled entertainment managers fail the cause of comedy in Britain , it usually enriches the stand-up comedy scene. In the backrooms of pubs across the country you can hear sharp, anecdotal humour. This has not happened in Germany . You get Mario Barth renting out the Olympic stadium and making even more lame Man-Woman jokes than he cracks on television. You get comedians like Dieter Nuhr writing books in an attempt to be taken seriously – and thus sacrificing the essence of his humour, his precise timing. You get Stefan Raab who loses concentration before he can bring his jokes to a successful conclusion.Cabaret, as the Suedeutsche Zeitung argued the other day, has lost its fizz.
It does not look good. That is the hidden message of Günter Jauch’s strange Ausrutscher about a dead, largely forgotten politician: Germany is suffering a humour crisis.
Auch das noch.
Ich bin zu jung für das Vormittagsprogramm der ARD („Rote Rosen“, Folge 763), zu heterosexuell für „Desperate Housewives“, zu alt für die „Simpsons“, zu gelangweilt von „SOKO Wismar“ (es braucht mehr als einen Krimi, um mein Interesse an Wismar zu wecken). Aber Günther Jauchs Millionär-Show – dafür kann ich mich begeistern, allein schon wegen des Traumes, einmal selbst ein Joker zu sein. Ich sitze, so stelle ich mir das vor, mit einer fiesen Grimasse à la Jack Nicholson in „Batman“ in einem Internetcafé, umgeben von jungen Assistenten, deren Hände über der Google-Seite schweben, alle bereit, um die perfekte Antwort zu generieren, die Jauchs Produktionsfirma um eine Million Euro ärmer macht. Ich schaue die Sendung also – sozial ist montags in meinem Leben eh nicht viel los –, um für den Tag vorbereitet zu sein, an dem mich jemand mal als Joker braucht.
In dieser Woche geschah jedoch etwas Merkwürdiges: Jauch macht einen riskanten Witz. Nicht sein normaler Schülerzeitungshumor, der das Studiopublikum zum Gackern bringt – er war besonders erfolgreich vor einigen Wochen mit einer Bemerkung über das Aufwischen von Katzenkotze in Wohngemeinschaften. Ihm saß ein wacher, behaarter Ossi gegenüber. Es lief gut für ihn und, hätte er mich als Joker gehabt, wären wir auf mindestens 125 000 Euro gekommen, mit denen wir nach der Show halbe-halbe gemacht hätten. Beim unvermeidbaren Geplänkel fragte Jauch den Thüringer, wofür er seinen Gewinn ausgeben würde. Für einen neuen Fallschirm, war die Antwort. Der Kandidat springt gern aus Flugzeugen, und ein guter Fallschirm kostet offenbar rund 5000 Euro.
Dann kam der Jauch-Witz: „Aber kein Möllemann-Modell?“
Das ist jedenfalls, was ich vernommen zu haben meine. Im Studio kräuselte sich ein unwohles Lachen. Sogar Jauch sah aus, als bisse er auf seine Unterlippe, besorgt, dass er zu weit gegangen sein könnte. War er, finde ich. Es war nicht lustig; es war beleidigend. Für Jürgen Möllemanns Familie, klar, aber auch für jeden, der schon mal ein Familienmitglied durch einen gewaltsamen Unfall verloren hat.
Grundsätzlich bin ich dafür, Tabus zu brechen und die Grenzen des Humors auszudehnen – vielleicht, weil ich Engländer bin und wir bekanntermaßen ein undefiniertes Verhältnis zum guten Geschmack haben. Ich habe sogar über Harald Schmidt als Hitler gelacht – er hat sich schließlich nicht über Holocaust-Opfer lustig gemacht, sondern über den Film „Der Untergang“ und unsere Faszination für den „Führer“. Aber Schmidt läuft spät, Jauch ist Familienfernsehen. Vor allem hat sein Witz nicht funktioniert: Viele im Publikum wussten gar nicht, wer Möllemann ist, was er wollte und wer ihn nicht mochte. Wenn man einen beleidigenden Witz macht, muss es dabei um etwas gehen.
Tatsache ist: Mit dem deutschen Fernsehhumor ist es nicht weit her. Auch in den deutschen Fernsehanstalten haben zu wenige Leute zu viel Macht – und gehen zu wenig Risiko ein. Warum, zum Beispiel, können nur Türken Witze über Türken machen? Aus dem gleichen Grund, warum Filme, die Hitler auf die Schippe nehmen, von Juden gemacht werden. Es ist eine sichere Bank – und deshalb nicht besonders lustig. Ähnlich in Großbritannien: Kein weißer Komiker macht Witze über Schwarze; schwarze Komiker dagegen nehmen Weiße und Schwarze aufs Korn. Deutsche Comedians – Pocher zum Beispiel – schlachten Priester, die Kinder missbrauchen, für Witze aus. An Türken trauen sie sich nicht ran. Heißt das, es ist schlimmer, ein Türke zu sein als ein Pädophiler? Dass Rasse für Humor tabu ist?
Deutsche lachen gern, die Sprache drängt sich geradezu auf für Wortspiele, aber die Fernsehmanager bedienen das nicht. Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Witzen, die man bei einer Abendeinladung hört, und dem, was einem das öffentliche oder auch private Fernsehen präsentiert. Die Stand-up-Komiker gleichen das auch nicht aus. Mario Barth macht im Olympiastadion noch schlechtere Mann-Frau- Witze als im Fernsehen. Dieter Nuhr schreibt Bücher, weil er ernst genommen werden will, und opfert so den Kern seines Humors: Präzision. Das Kabarett, wie die „Süddeutsche“ neulich schrieb, hat seine Säure verloren.
Es sieht nicht gut aus: Das ist die verborgene Botschaft von Günther Jauchs merkwürdigem Ausrutscher über einen toten, weithin vergessenen Politiker: Deutschland leidet unter einer Humor- Krise. Auch das noch.
Aus dem Englischen übersetzt von Moritz Schuller.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.03.2010)
Die gute Nachricht in einer an guten Nachrichten armen Woche kam, woher auch sonst, von der Deutschen Bahn. Nicht nur will der DB-Chef Rüdiger Grube „Flyer“, „Hotlines“ und „Call a Bike“ abschaffen, auch das Küssen wird verschwinden. Genauer: die „Kiss and Ride“- Zone vor den Bahnhöfen. „Kissen und Riden“ hieß früher Kurzparken und ging so: Man bringt seinen Partner zum Bahnhof und hat gerade genug Zeit für einen Abschiedskuss, bevor jemand von hinten anfängt zu drängeln. Vermutlich war das ein Überbleibsel aus der Mehdorn-Ära, der Versuch von inkompetenten Markenberatern, ein banales Problem (Autos, die den Zugang zum Bahnhof blockieren) charmant zu lösen – eine Eigenschaft, für die Mehdorn ja zu recht berühmt ist. Englisch mag zwar nicht die Sprache der Liebe sein (die Ehre kommt Italienisch, Französisch und Bayerisch zu), gilt aber als weltoffenes Idiom. Vermutlich hielten Mehdorns Berater „Kiss and Ride“ für einen ihrer größten PR-Triumphe.
Das war es natürlich nicht. Es hat lediglich alle verärgert: die Muttersprachler, die Deutschen, die das Denglisch satthaben, die Muslime, die sich in der Öffentlichkeit lieber nicht küssen wollen, und vor allem die ernsthaften Küsser. Diesem Bahnisch liegt nämlich ein fundamentales kulturelles Missverständnis zugrunde: Anders als „Click and Buy“ oder „Wash and Go“ ist „Kiss and Ride“ nicht Ausdruck eines mechanischen, emotionslosen Ablaufs. Ein Kuss hat etwas mit Berührung zu tun, mit Geruch und mit Leidenschaft. Dem Parken eines Autos vor dem Bahnhof wohnt dagegen nichts Romantisches inne. Man würgt den Wagen ab, greift die Tasche, startet den Wagen. Kurzparken halt. Küsse brauchen Zeit. Wer wirklich küssen möchte, bevor der 7 Uhr 31 nach Dortmund abfährt, der nimmt ein Taxi.
Die Bahn hat meine Sprache entführt und ich will sie zurück. Andere Unternehmen haben das natürlich auch schon versucht – Telekom et al. –, aber unter der Bahn leide ich am meisten. Was wollen sie mir mit ihrem Englisch (oder „BSE“ – Bad Simple English) eigentlich sagen? Dass die DB ein Global Player ist? Dass die Mitarbeiter in der Lage sind, den des Deutschen nicht Mächtigen zu helfen? Beides trifft nicht zu. Trotz der Pauken und Trompeten, mit denen das Mehdorn-Orchester in der Vorprivatierungsphase viel Lärm gemacht hat, genießt das Unternehmen international kaum Einfluss. Überall in Europa beschwert man sich über die Züge, aber die Deutschen scheinen am unzufriedensten zu sein. Vielleicht, weil sie das Gefühl haben, dass eine nationale Institution zerfällt. Im „Schwarzbuch Bahn“ steht, dass die Zugführer in Flaschen pinkeln müssen, weil sie keine Pausen mehr haben, um ja pünktlich anzukommen. Ein Beispiel für „Piss and Ride“.
Das Bahn-Englisch ist nicht einfach nur ein Witz, der absurde Versuch, Vernetzung herzustellen, sondern ein Instrument der Macht. Teil eines Systems, dass den Kunden vorschreibt, was sie zu tun haben, weil es über eine Monopolstellung verfügt. Sie verstehen das Tarifsystem nicht? Zahlen Sie einfach. Sie wollen lieber von einem Menschen bedient werden? Pech gehabt. Jedes Unternehmen, vor allem aber Monopolisten, sollten einmal im Monat mit den Kunden zusammentreffen: Machen wir das richtig?
Welche absurden Ausmaße die Verweigerung, mit den Kunden in einen Dialog zu treten, angenommen hat, zeigte sich, als der Zug zum Flughafen Schönefeld dort nicht hielt. Der Zugführer wollte nicht zu spät in Königs Wusterhausen ankommen. In einem solchen Moment braucht man Mitarbeiter, die auf Englisch erklären können, warum die Reisenden ihre Flugverbindungen verpassen, damit der Zug pünktlich ankommt. Bald werden die Touristen mit dem RB 22 vom Flughafen zur Friedrichstraße fahren können – über Potsdam und Golm.
Und das ist die zweite gute Nachricht: Golm (Einwohnerzahl: 2474) bekommt endlich den Respekt, den es verdient. Gut, die Reise auf dem Außenring dauert eine Stunde und ist eine außergewöhnliche Safari entlang den Fransen der Stadt. Aber vielleicht wird es einen Zugbegleiter geben, der Englisch spricht und auf die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Golms hinweisen kann – mir fällt spontan die Havelland-Kaserne ein. Und vielleicht kann er dann auch gleich erklären, warum die Deutsche Bahn sich nicht in der Lage sah, mit den Planern des Flughafens BBI zusammenzuarbeiten. Hoffen wir, für den Lokführer, dass der Zug wenigstens über eine Mitarbeitertoilette verfügt.
Aus dem Englischen von Moritz Schuller
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.02.2010)
The one piece of good news in a week that was not full of joy came from, where else?, Deutsch Bahn. Not only is DB boss Rüdiger Grube going to get rid of Flyers, Hotlines and Call a Bike, he also ordained that the kissing has to stop. More precisely the “Kiss and Ride” zone in the forecourts of stations. Kissen and Riden used to be called Kurzparken and the idea is this: you take your partner to the station and you are given just enough time to kiss goodbye before someone shouts at you to move on. I suppose this is a relic from the Mehdorn era, an attempt by his feckless Bahn-branding advisors, to solve a banal problem (too many cars blocking the entrance to rail stations) into something charming, a quality for which Mr. Mehdorn is justly famous. And while English may not be the language of love (this honour going to Italian, French and Bayerisch), it is supposed to be the idiom of world-openness and so HM’s advisers probably regarded Kiss and Ride as one of their greatest PR triumphs.
But, of course, it wasn’t. It managed to upset native English speakers, Germans fed up with the anglicism invasion, muslims who prefer not to kiss in public and above all, serious kissers. There’s a deep cultural misunderstanding at the heart of all these Bahnisch idioms. “Kiss and Ride” is not like “Click and Buy” or “Wash and Go” which are mechanical processes without emotional overtones. A kiss by contrast has to do with touch and smell l and passion-. Unless, of course, one were kissing the signet ring of the DB-chef in which case it would be an act of submission to unchallengeable authority. In England we talk of “kiss and tell” – ex-lovers who sell their memories of unfaithful Promis to the boulevard press – but even in that case, a kiss is shorthand for a romantic entanglement. There is nothing romantic about parking your car at a station. You cut your engine, take your bag out, start the engine again. Kurzparken, halt. Kissing needs time. If you really want to kiss before the 07.31 leaves for Dortmund, then you take a taxi.
The DB has kidnapped my language, and I want it back. Of course others try the same trick – Telekom and all the others – but it is the Bahn that causes me most anguish. The use of English- or rather BSE, Bad Simple English – is supposed to show what exactly? That DB is now a global player? Or that its staff is competent to help non-German-speaking passengers? Neither reason seems to be true. DB, despite the pre-privatisation trumpeting and clashes of cymbals from the Mehdorn Symphony orchestra, has little international clout, and even that is evaporating because the Bahn management is failing to deliver at home. I know that people across Europe are dissatisfied with their train services at the moment. But Germany seems to be complaining the most. Perhaps it is a sense of a great national institution crumbling. The “Adler” in 1835, Friedrich List’s ideas for using railways to unite Germany, the post-war TEE, the rebuilding of east German stations after 1990: all this was a source of national pride and the Eisenbahner saw themselves as a kind of proletarian elite. And now what? According to the best-seller Schwarzbuch Deutsche Bahn, train drivers have to pee into bottles because they are not given adequate toilet breaks – they could endanger punctuality targets. A case, perhaps, of Piss and Ride. Wages are low, pressure is put on ticket staff to sell the most expensive product.
The Bahn-englisch is I think not just a joke, a buffoonish attempt to be interconnected with the outside world, but an instrument of power; part of a system that says to customers – you have to do things our way because we have a monopoly. You can’t understand the ticket tariff system? Just pay up. You would rather be served by a human railer than a machine? Bad luck. You can’t understand a word that we’re saying on the loud-speakers? Learn German. Every company, but especially one that enjoys a monopoly, should have a monthly meeting with customers to ask: are we doing this right? What impact is this or that policy having on ordinary fare-payers?
The full absurdity of this refusal to enter a dialogue with customers emerged the other day when the train service to Schönefeld airport did not stop there. The driver did not want to arrive unpunctually at Königs Wusterhausen. That is when you need staff who can speak English, to explain why the travellers have missed their air connections in order to create the illusion of efficiency. Soon, too, tourists will be able to travel in the RB 22 from the airport to Friedrichstraße – via Potsdam and Golm.
So that is the second bit of good news. Golm (population 2.474) is at last going to get the recognition it deserves. Yes, the journey along the Aussenbahnring will take an hour and involve an extraordinary Safari along the southern fringes of the city. But perhaps there will be an English-speaking Schaffner on hand to point out the main attractions of Golm through the window – the Havelland Kaserne is the only one I can think of – and explain why the German railway has been unable to coordinate with the planners of the BBI
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